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Der Reinhardswald

Auf über 20.000 ha Fläche erstreckt sich der Reinhardswald, das größte geschlossene Waldgebiet Hessens. Er zeichnet sich durch seine Strukturvielfalt aus und wurde daher bereits als „Schatzhaus europäischer Wälder“ bezeichnet. Die markantesten Symbole des Reinhardswaldes sind seine jahrhundertealten Hute-Eichen. Sie prägen den besonderen Charakter dieser Landschaft und machen den Reinhardswald unverwechselbar. Aber auch ausgedehnte Buchen- und Fichtenwälder, zahlreiche Quellen, iydillische Bachläufe und Tallandschaften sind im Reinhardswald vorzufinden.

Nutzung und Naturschutz verbinden

Das gewachsene Mosaik verschiedener Waldbilder ist auf seine lange Nutzungsgeschichte zurückzuführen. Denn der Reinhardswald wurde schon immer vom Menschen genutzt. Die alten Eichen künden von der Waldhute, prächtige Eichenalleen säumen alte Verbindungswege, einsame Wiesen wurden für die Jagd freigehalten. Unter dem Blätterdach des Reinhardswaldes finden sich zahlreiche historische Spuren menschlicher Nutzung: Hutesteine, Meilerplatten und alte Bergbaustollen (denn im Reinhardswald wurde einst Kohle gefördert). Auch heute unterliegt der Reinhardswald der menschlichen Nutzung, u.a. in Form von forstwirtschafticher, naturschutzfachlicher und freizeitwirtschaftlicher Nutzung.

Dabei stehen der Nutzung aber auch natürliche Abläufe ohne menschliche Eingriffe gegenüber. In einigen Teilen darf sich der Wald ganz natürlich entwickeln z.B. im „Naturwaldreservat Weserhänge“. Und im Urwald Sababurg wird Nutzung und Naturschutz kombiniert, denn das Gebiet darf sich ganz natürlich entwickeln und wird dabei dem Menschen zugänglich gemacht, um in Maßen freizeitwirtschaftlich und naturschutzfachlich genutzt zu werden und zur Umweltbildung beizutragen. Synergien können so genutzt und die Besonderheiten des Reinhardswaldes herausgestellt, bewahrt und an Besucher vermittelt werden.

Hute-Eiche im Urwald Sababurg / Foto: VDN/Jörg Ossenbühl

Hute-Eichen - markant, auffällig und hunderte Jahre alt

Die markantesten Symbole des Reinhardswaldes sind seine jahrhundertealten Hute-Eichen. Einige von ihnen sind bereits 600 Jahre alt, manchen sagt man sogar ein Alter von bis zu 1.000 Jahren nach. Die Eichen wurden früher als Hute-Wald gezielt angepflanzt und gefördert. Schweine, Rinder, Schafe und Pferde durften sich an ihren nährstoffreichen Eicheln satt fressen. Heute prägen genau jene alten Eichen den besonderen Charakter dieser Landschaft und machen den Reinhardswald unverwechselbar. Dabei haben wir es menschlichen Zutuns zu verdanken, denn in den Wäldern der deutschen Mittelgebirge entsprechen eigentlich Buchen der potenziell natürlichen Vegetation. Buchen sind unter den hier gegebenen Bedingungen konkurrenzstärker als Eichen und verdrängen diese ohne menschliche Unterstützung, z.B. durch Freistellung.

Manche Exemplare der alten Hute-Eichen sind noch immer ganz vital und lebendig, andere weisen bereits einen hohen Anteil an Totholz auf. Im Laufe des Lebens einer Hute-Eiche wird der Baum aus ökologischer Sicht aber immer wertvoller, denn er wird zum Lebensraum anderer Arten. Spechte zimmern Höhlen, in die später zum Beispiel Eulen oder andere Tieren, die auf Baumhöhlen angewiesen sind, einziehen und diese als Lebensraum weiternutzen.

Urwald Sababurg / Foto: Paavo Blåfield

Besuchermagnet: Urwald Sababurg

Der Urwald Sababurg ist das älteste Schutzgebiet Hessens. Einst durch Menschenhand für die Wald-Hute geschaffen, steht er nun seit dem Jahr 1907 unter Schutz und wird sich dabei seit über 100 Jahren auf einer Fläche von 92 Hektar weitgehend selbst überlassen. Dabei wird er dennoch Besuchern zugänglich gemacht. Drei markierte Rundwege führen durch den Urwald Sababurg und zeigen dir die wunderschönen und ökologisch wertvollen Baumriesen.

Ein Künstler setzte sich für den Schutz ein

Auf den Maler Theodor Rocholl geht die Initiative zurück, den Urwald Sababurg unter Schutz zu stellen. Er hat die alten Eichen des Urwaldes gemalt und die Besonderheit dieses Ortes in seinen Bildern zum Ausdruck gebracht.

Der Wert des Urwaldes

Das ökologische Kapitel des Urwaldes ist sein hoher Anteil an Totholz. Sehr alte und absterbende Bäume bieten eine hohe Strukturvielfalt, die von vielen Pilzen und Tieren als Lebensraum geschätzt wird. Über 2.000 Insektenarten wurden im Urwald nachgewiesen, darunter 450 Käferarten, von denen fast ein Fünftel bundesweit als gefährdet gilt.

Du möchtest ausführlichere Informationen zum Urwald Sababurg? Dann schau mal hier vorbei: Urwald Sababurg

VDN/Ulrike Sobick

Hier darf Wald Wald sein: Die Weserhänge

An seinem östlichen Rand wird der Reinhardswald von der Weser begrenzt. Die Weserhänge sind steil, großflächig mit Buchenwald bewachsen und von zahlreichen natürlichen Bächen durchzogen, die ungestört mit großem Gefälle zur Weser fließen.

Das größte FFH-Gebiet des Naturparks

Die großflächigen zusammenhängenden Buchenwälder und die natürlichen Bäche der Weserhänge sind als FFH-Gebiet ausgewiesen. Da die Ufer vieler kleiner Bäche heute verbaut und begradigt wurden, sind naturnahe Bachläufe mit strukturreichen Ufern und typischer Bruchvegetation selten geworden – anders hier an den Weserhängen im Naturpark Reinharswald, wo diese zur Förderung unter Schutz gestellt wurden.

Ein neuer Urwald in den Weserhängen: Das Naturwaldreservat

Ein Teil des FFH-Gebiets Weserhänge ist als Naturwaldreservat geschützt. Hier werden menschliche Einflüsse auf den Wald - auch durch Besucher - nach Möglichkeit gänzlich ausgeschlossen. Stattdessen wird die natürliche Waldentwicklung von der Forstlichen Versuchsanstalt erforscht. Artenzusammensetzung, Totholzbestand und sonstige Lebensraumveränderungen des Naturwaldreservats werden mit forstwirtschaftlichen Flächen verglichen. Dazu dienen die sogenannten Vergleichsflächen, die links und rechts des Totalreservats existieren.

Spannend? Finden wir auch! Weitergehende Informationen zum Naturwaldreservat Weserhänge findest du hier: Naturwaldreservat Weserhänge

 

Wusstest du, dass …

… im Reinhardswald Tiere leben, die ausschließlich hier vorkommen oder nur ganz selten wo anders zu finden sind? Zu ihnen gehört zum Beispiel das weiße Rotwild oder der Eremit. Auch der Schwarzstorch ist eine seltene Art, die im Reinhardswald einen geeigneten Lebensraum gefunden hat.

Weißer Hirsch (Rotwild) / Foto: Jochen Dörbecker

Weiße Hirsche

Im Reinhardswald gibt es ein in Deutschland einzigartiges Vorkommen an weißen Hirschen oder genauer gesagt an weißem Rotwild. Es handelt sich hierbei aber nicht, wie man vielleicht erst vermuten mag, um Albinos, sondern um Rotwild mit einer besonderen Erbanlage. Sie kamen eins als Geschenk für den Landgrafen aus Tschechien in den Reinhardswald.  Rund 16 % der braunen Tiere im Reinhardswald tragen das Gen in sich. Aus zwei braunen Elterntieren mit diesem Gen kann demnach ein weißes Tier hervorgehen. Der Bestand an weißen Tieren wird auf ca. 50 Stück geschätzt. Die weißen Tiere stehen aufgrund ihrer Besonderheit unter Schutz und werden nicht bejagt. Um sie rankt sich ein Aberglaube unter Jägern: Wer einen weißen Hirsch schießt, stirbt kurz darauf.


 

VDN/Siegfried A. Walter

Eremit

Der Eremit ist eine seltene und streng geschützte Käferart. Er lebt fast ausschließlich in Mulmhöhlen. Mulm ist abgestorbenes Holz, das bereits zu Spänen zerkleinert wurde und sich in einem weiteren Stadium der Holzzersetzung befindet. Mulmhöhlen kommen in abgestorbenen oder noch lebenden Bäumen vor, deren Kern bereits abgestorben ist. Der Eremit hat aber noch weitere Anforderungen an sein Heim: er wählt gerne Mulmhöhlen in großer Höhe, mindestens 6 Meter über dem Waldboden. Damit sich Eremiten besonders gut vermehren können, dürfen ihre Höhlen gern über 50 Liter Mulm fassen. Er ist daher auf das Vorkommen alter, dicker Bäume mit Totholz angewiesen. Das Vorkommen von Eremiten erlaubt  auch Rückschlüsse auf den Lebensraum weiterer Arten. Denn alte, dicke aber noch aufrecht in den Himmel ragende Bäume mit viel Totholz gibt es weniger, als man denkt. Und wo es sie gibt, bieten sie auch zahlreichen anderen Tier- und Pilzarten einen Lebensraum. So zum Beispiel im Urwald Sababurg, wo der Eremit nachgewiesen ist.

Wie kann der Eremit geschützt und gefördert werden?

Durch eine Freistellung absterbender starker Bäume in Altbeständen mit hohem Buchenanteil kann dem Eremiten geholfen werden. Das Freistellen bringt dem Baum mehr Licht und verbessert dadurch seine Wuchsbedingungen. Fällt mehr Sonne auf den Stamm, so erwärmen sich Holz und Mulm und verbessern dadurch das Mikroklima für die Larven im Mulm.

Arten-Patenschaft vom Forstamt übernommen

Auch die Arten-Patenschaft für den Eremit hat das Forstamt Reinhardshagen übernommen. Es setzt sich somit besonders für den Schutz  dieser sehr seltenen Art ein und führt entsprechende Maßnahmen zur Förderung der Population aus.
 


 

VDN/Jürgen Mayer

Schwarzstorch

Im Reinhardswald brüten seit einigen Jahren wieder Schwarzstörche. Anders als ihre weiß gefiederten Kollegen, sind Schwarzstörche Waldbewohner. Sie sind  sehr scheu und meiden die Nähe zu Menschen. Der Schwarzstorch nutzt seinen Horst über viele Jahre. Das Männchen kehrt, meist früher im Jahr als das Weibchen, an den Brutplatz zurück und beginnt mit den Reparaturen am Horst. Vor allem kurz nach der Ankunft sind Schwarzstörche sehr empfindlich gegenüber Störungen, sodass rechtzeitig vor der Ankunft die Forstarbeiten in der Umgebung eines Horsts eingestellt werden.

Wie können wir den Schwarzstorch schützen?

Schwarzstörche nisten im Wald auf alten Bäumen, deren Äste stark genug sein müssen, den schweren Horst zu tragen. Zudem müssen die Nistplätze ruhig und ungestört sein. Seine Nahrung sucht er auf feuchten Wiesen und entlang von Bachläufen und Tümpeln. Damit ist der Schwarzstorch an alte, große und geschlossene Waldgebiete mit Bachläufen und Stillgewässern gebunden, wie sie im Reinhardswald noch häufig vorzufinden sind. Der Erhalt dieser Lebensraumstrukturen ist daher der wichtigste Beitrag zum Schutz der scheuen Schwarzstörche.

Forstamt hat Arten-Patenschaft für den Schwarzstorch inne

Das Forstamt Reinhardshagen hat nach der Naturschutzleitlinie die Patenschaft für den Schwarzstorch übernommen und setzt sich somit besonders für den Schutz dieser seltenen und schützenswerten Tiere ein.


 

Wenn du wissen möchtest welche weiteren Tiere oder Pflanzen im Naturpark Reinhardswald einen Lebensraum haben, schau mal auf unserer Seite „Flora & Fauna“ vorbei.

Den Reinhardswald erleben

Viele spannende Orte und Plätze im Reinhardswald warten darauf von dir erkundet zu werden. Egal ob du die Ruhe der Natur genießen und vom Alltag abschalten, gemeinsam mit Familie oder Freunden sportlich aktiv werden oder dich auf die Spuren von Märchen, Sagen und Mythen begeben möchtest, du hast zahlreiche Möglichkeiten.

 

Wandern

 

Dornröschen, Rapunzel & Co.

 

Radfahren

 

Tierpark Sababurg

Im Bann des Reinhardswaldes

Lass dich inspirieren und lern den Reinhardswald, seine Natur und die Menschen, die hier leben, kennen.