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Natürlich sehenswert - Besonderheiten im Naturpark Reinhardswald

Im Naturpark Reinhardswald gibt es viel zu entdecken und zu sehen. Dabei müssen es nicht immer die klassischen Ausflugsziele wie der Tierpark Sababurg, der Urwald Sababurg oder die zahlreichen Museen, Schlösser und Burgen oder andere Sehenswürdigkeiten sein. Die Natur hat ebenfalls viel zu bieten - fernab der Besucherströme. Hier einige Tipps von uns für Besonderheiten, die in jedem Fall einen Besuch wert sind.

FriedWald - ein besonderer Friedhof

Im Naturpark befindet sich der FriedWald Reinhardwald, Deutschlands ältester Bestattungswald. Unter den altehrwürdigen Baumriesen können auf dem Friedhof im Wald Menschen ihre letzte Ruhe finden. Seit Eröffnung im November 2001 haben bereits über 6.600 Beisetzungen stattgefunden. Etwa 15.000 Menschen haben sich schon für den FriedWald Reinhardswald als letzte Ruhestätte entschieden. (Zahlen Stand Ende 2018)

Der FriedWald Reinhardswald war Pionier und bundesweit der erste Bestattungswald und ebnete so den Weg für die Bestattung in der Natur in ganz Deutschland. Auf dem 116 Hektar großen Gelände des FriedWald Reinhardswald können biologisch abbaubare Urnen unter mächtigen Eichen und beeindruckenden alten Buchen ruhen. Die Artenvielfalt im Wald ist groß, so können auch Birke, Ahorn, Erle, Eberesche, Kastanie, Lärche und Weide als Ruhestätte ausgesucht werden. Die FriedWald-Förster unterstützen bei der Suche nach dem passenden Baumgrab.

Eine gute Gelegenheit, den FriedWald Reinhardswald kennenzulernen, sind die kostenlosen Waldführungen. Bei dem gemeinsamen Waldspaziergang erklärt der FriedWald-Förster alles zur Bestattung in der Natur. Ausführliche Informationen gibt's auf der Website des FriedWald Reinhardswald.

Lage & Erreichbarkeit: Reinhardswald Höhenstraße, zwischen Sababurg und Reinhardshagen, Parkplätze vorhanden, Buslinie 190 (NVV)


 

Die Wolkenbrüche

Ein echter Geheimtipp sind die sagenumwobenen Wolkenbrüche umweit der Stadt Trendelburg. Sie sind seltene Naturphänomene und einzigartig hier in Nordhessen. Man unterscheidet den Nassen und den Trockenen Wolkenbruch. Beide liegen nur ca. 400 Meter voneinander entfernt und werden durch den Naturpark-Rundwanderweg „Burgblickweg“ (der im gesamten Wegeverlauf zahlreiche Blicke auf die Trendelburg, Heimatturm von Rapunzel, freigibt) verbunden.

Bei den Wolkenbrüchen handelt es sich um Erdfälle, trichterartige Krater in der Erde, die als Naturdenkmale ausgewiesen sind. Der Nasse Wolkenbruch ist - wie es der Name sagt - mit Wasser gefüllt. Bis zu stolze 16 Meter tief ist das Wasser in der Mitte des Kraters. Der Trockene Wolkenbruch hingegen ist nicht mit Wasser gefüllt, aber dennoch nicht weniger spektakulär.

Um die Entstehung der Wolkenbrüche dreht sich eine Sage: „Trendula, eine der drei Reinhardswald-Riesinnen und Namensgeberin der Stadt Trendelburg, war voller Missgunst gegenüber ihren Schwestern Saba und Brama. In einer unwetterheimgesuchten Nacht waren Saba und Brame auf dem Rückweg von einem Besuch bei ihrem Vater, dem Riesen Kruko, als die hasserfüllte Trendula ihnen auflauerte und Brama hinterrücks meuchelte. Seit Tagen schon gingen Wolkenbrüche und starke Gewitterregen in der Gegend der Mordstelle nieder und die gerechte Strafe ließ nicht lange auf sich warten: Ein Blitz erschlug die Mörderin und im Donnergrollen öffnete sich der Erdboden und verschlang Trendula.“ So abwegig ist die aus der Sage entstandene Namensherkunft der Wolkenbrüche aber gar nicht; denn sieht man einmal vom Mythischen ab, bleibt ein tagelang anhaltendes Unwetter mit starken Niederschlägen als prägendes Naturereignis durchaus geeignet, die dünne Decke einer unterirdischen Auswaschung im Zechstein zum Einsturz zu bringen und den Volksmund zu veranlassen, die damals − zumindest im Rahmen der Sage − unerklärlicherweise plötzlich vorhandenen, aber eigentlich 250 Millionen Jahre alten Erdtrichter Wolkenbruch zu nennen.

Lage & Erreichbarkeit: Friedrichsfelder Straße L763, zwischen Trendelburg und Friedrichsfeld, Wanderparkplatz Nasser Wolkenbruch, nur über einen kurzen Fußweg zu erreichen, auch zu erwandern über den Burgblickweg.

Fichten-Klumpse

Die Fichten-Klumpse mitten im Reinhardswald sind weltweit einzigartig. Sie sind ab 1851/52 als Kompromiss zwischen Forst- und Hutewirtschaft (Waldweide) entstanden. Carl Friedrich Mergell ließ auf den besonders nassen, verdichteten und sauerstoffarmen Böden (Molkeböden) der Hochfläche des Reinhardswaldes ein Grabensystem anlegen und benutze  den Aushub als Pflanzhügel. Hier pflanzte er eine hochstämmige Eiche oder Buche, die jeweils von einem Kranz von Fichten umgeben wurde. Die Hügel lagen im Dreiecksverbund ca. 14 bis 16 Meter auseinander. Auf dem damals 19 ha großen holzleeren Staufenberger Bruchs wurden 650 Klumpse mit 325 Eichen und 325 Buchen sowie 24.000 Fichten, je Klumps also 37 Stück, gepflanzt.

Die jungen Buchen und Eichen starben aber bald wegen Lichtmangels ab, da die Fichten auf den Erdhügeln besonders gut wuchsen. Allein im Staufenberger Bruch sind bis 1866 rund 400 km Gräben ausgehoben worden. Der weitere Ausbau wurde gestoppt, da parallel ein neues Nutzungsrecht des Waldes, insbesondere im Hutebereich, für eine schonendere Bewirtschaftung sorgte. Bis dahin sind aber immerhin über 500 ha mit rund 17.000 Klumpsen begründet worden, vornehmlich im Staufenberger Bruch, entlang der Holzhäuser Straße zwischen Rotem Stock und Schneidersbaum, am Lichteplatz und im Ahlgern.

Noch heute sind am Staufenberg die besonderen Fichten-Klumpse zu bestaunen. Hier fühlt man sich wahrhaftig wie in einem Märchenwald. Still, dunkel, mystisch, mit Licht und Schatten durchflutet… Der markierte Rundweg „Fostmeisterrunde“ (Rundweg 3) ab dem Wanderparkplatz „Kühbacher Wiese“ führt mitten durch die Fichten-Klumpse. Außerdem finden hier auch verschiedene geführte Touren statt (siehe Naturerlebnisse).

Lage & Erreichbarkeit: Reinhardswald Höhenstraße, zwischen Sababurg und Reinhardshagen, nur zu Fuß erreichbar ab Wanderparkplatz Kühbacher Wiese (Rundweg 3 folgen, ca. 700 Meter), Wanderparkplatz wird auch von der Buslinie 190 angefahren (NVV)