Direkt zum Inhalt

Das Diemeltal: Idyllische Flusslandschaft & Perle des Naturschutzes

Sanft schlängelt sich die Diemel über rund 110 km durch die malerische Landschaft von ihrer Quelle im Rothaargebirge bis zu ihrer Mündung in die Weser in Bad Karlshafen. Ihr Unterlauf zwischen Liebenau, Trendelburg und Bad Karlshafen ist Bestandteil des Naturparks Reinhardswald. Hier hat sich die Diemel in Sedimente aus Muschelkalk eingeschnitten und dabei Kalksteinhänge geformt, die  zu den artenreichsten Biotopen in Hessen zählen.

Zwischen Liebenau und Trendelburg liegen die im Volksmund als Kalkmagerrasen und Wacholderheiden bezeichneten Flächen in einer Größe vor, wie sie sonst erst wieder in Thüringen, Bayern oder Baden-Württemberg vorzufinden sind. Das Diemeltal im Naturpark Reinhardswald ist damit die letzte große Kalkmagerrasenlandschaft Nordwestdeutschlands. Das vor ca. 240 Millionen Jahren entstandene Muschelkalkgestein bietet den Lebensraum für die artenreichen Kalk-Halbtrockenrasen und für Kalk-Buchenwälder. Zahlreiche Gebiete wurden im Jahr 2000 als Flora-Fauna-Habitate (FFH-Gebiete) ausgewiesen und unter Schutz gestellt, um seltene und gefährdete Arten zu erhalten und den Artenreichtum zu fördern.

Kalkmagerrasen mit zahlreichen Orchideen / Foto: Christiane Sasse

Kalkmagerrasen

Die Entstehung der aus naturschutzfachlicher Sicht wertvollen Kalkmagerrasen-Flächen des Diemeltals geht auf menschliche Nutzung zurück. Sie sind das Ergebnis der Beweidung mit Schafen und Ziegen. Die steilen Kalksteinhänge an der Diemel eigneten sich nur schlecht für die Landwirtschaft, zum Beispiel zum Anbau von Getreide, umso besser aber als Weidefläche für Schafe und Ziegen. Wenn es diese "Landschaftsgärtner" nicht gäbe, wären die Kalksteinhänge heute verbuscht und bewaldet. Durch die Beweidung und das Herausstellen der Kalkmagerrasen-Flächen sind spezielle Lebensräume für Arten entstanden, die auf genau diese Gegebenheiten angewiesen sind. So erhielt das Diemeltal als einziges Gebiet Norddeutschlands die europäische Auszeichnung „European Prime Butterfly Area“. Denn in den u.a. Naturschutzgebieten dieser Region sind aufgrund der besonderen Vegetation zahlreiche seltene Tagfalter- und Schmetterlingsarten heimisch, wie beispielsweise der Thymian-Ameisenbläuling. Aber auch Wacholder, Thymian und zahlreiche seltene Ochideenarten haben hier ein besonderes Vorkommen.

Dreizähniges Knabenkraut / Foto: VDN/usch

Dreizähnige Knabenkraut

Zu den seltenen Orchideen, die im Diemeltal auf Kalkmagerrasen wachsen, gehört das dreizähnige Knabenkraut. Sein Hauptverbreitungsgebiet liegt deutlich weiter südlich, nämlich am Mittelmeer. Im Diemeltal kommt es an seine nördliche Verbreitungsgrenze. Das dreizähnige Knabenkraut blüht im Mai und ist zum Beispiel im Naturschutzgebiet Stahlberg / Hölleberg zu sehen.


 

Schwarzkopf-Schaf / Foto: VDN/Kkey

Schwarzkopfschaf: Gärtner für die wertvollen Magerrasen

Die Beweidung der steilen Kalkmagerrasen im Diemeltal mit Schafen und Ziegen ist die beste Art diese besonderen Lebensräume für seltene Schmettleringe und Orchideen zu pflegen und zu erhalten. Das Schwarzkopfschaf ist dabei eine der Arten, die im Diemeltal dafür eingesetzt werden. Die Beweidung der mageren Standorte war schon immer beschwerlich und ist heute ohne Förderung kaum konkurrenzfähig zu anderen wirtschaftlichen Aktivitäten.


 

Foto: VDN/Stanislaus Plewinski

Thymian-Ameisenbläuling

Eine eher seltene und gefährdetet Tagfalter-Art, die auf den Kalkmagerrasen-Flächen des Diemeltals einen geeigneten Lebensraum gefunden hat, ist der Thymian-Ameisenbläuling. Als „Kuckuck unter den Schmetterlingen“ verbringt er einen Teil seines Lebens in Ameisennestern. Weibliche Thymian-Ameisenbläulinge legen ihre Eier zunächst auf Pflanzen ab, die den Raupen als Futter dienen. Nach einiger Zeit lässt sich die Raupe von der Pflanze fallen und von Ameisen ins Ameisennest tragen, wo sie überwintert. Die Raupe scheidet Honigtau ab, der von den Ameisen genutzt wird, ernährt sich aber gleichzeitig bis zur Puppenruhe von den Larven und Eiern der Ameisen. Die Ameisen bemerken diesen "Trickbetrug" zunächst nicht, bis der Schmetterling im folgenden Jahr schlüpft - dann muss er schnellstmöglich und ungesehen das Ameisennest verlassen. Hierfür stehen die Chancen frühmorgens am besten, wenn die Aktivität der Ameisen am geringsten ist.


 

Wacholderbeeren / Foto: VDN/Christel Baude

Wacholder

Wacholder schützt sich mit Dornen vor dem Verbiss durch Schafe und Ziegen. Dadurch hat er auf beweideten Flächen besondere Vorteile gegenüber anderen Pflanzen, die von Schafen und Ziegen kurz gehalten werden. Rund um Ostheim werden die Wacholderbeeren gesammelt und in der alten Ostheimer Schmiede zu Diemel Dry Gin veredelt.


 

Wacholder-Heiden im Diemeltal / Foto: Christine Sasse

Das Diemeltal erleben

Du hast Lust das Diemeltal zu erkunden und die besondere Landschaft kennen zu lernen? Kein Problem. Auf dem Stahlberg / Hölleberg haben wir mehrere Rundwanderwege ausgwiesen, die dich durch die Kalkmaggerasen-Flächen und Wacholderheiden, vorbei an Orchideen und Schmetterlingen führen. Oder wie wärs mit einer Kanutour auf der Diemel? Auch vom Fluss kannst du die besondere Landschaft wahrnehmen und den Blick auf die Kalksteinhänge werfen. Wer die Landschaft lieber Radfahrend erleben möchte, sollte den Diemelradweg testen, der eignet sich übrigens auch super mit der ganzen Familie, da kaum Steigungen in der flachen Flusslandschaft überwunden werden müssen.

 

Wandern

 

Kanufahren

 

Radfahren